Chronik der Kirchen Russee und Hammer

Michaelis-Süd – St. Gabriel

 „Nach beschlussmäßiger Stellungnahme des Kirchenvorstandes der Kirchengemeinde Michaelis II und des Bezirksvorstandes des Seelsorgebezirks Russee-Hammer der gleichen Gemeinde, sowie nach Anhörung des Synodalausschusses der Propstei Kiel in Wahrnehmung der Aufgaben der Propsteisynode wird angeordnet:

§1

Der Seelsorgebezirk Russee-Hammer wird aus der Kirchengemeinde Michaelis II in Kiel ausgepfarrt und zu einer selbständigen Gemeinde mit dem Namen Michaelis-Süd erhoben“ – so hieß es unter dem Datum vom 15. Mai 1951 im Kirchlichen Gesetz- und Verordnungsblatt der Ev.-Luth. Landeskirche Schleswig-Holstein.

Damit können wir im Jahr 2001 auf ein halbes Jahrhundert eigenständiger kirchlicher Arbeit in unserer Gemeinde zurückblicken.

 

Die entscheidenden Weichenstellungen für die Gründung der Kirchengemeinde erfolgten in den Jahren 1949 und 1950. „Durch die große Seelenzahl der Gemeinde Michaelis II ergab sich die Nötigung, für die Ortsteile Hammer, Demühlen und Russee eine besondere kirchliche Notversorgung einzurichten“ (Anfang der Gemeindechronik), und deshalb wurde 1949 nach einer Zeit des Übergangs Walter Vonthein aus Königsberg mit der Stelle eines Hilfsgeistlichen für diesen Seelsorgebezirk betraut.

 

In den Schulen der Ortsteile Hammer und Demühlen sowie Russee, das damals noch zum Landkreis Rendsburg gehörte, versammelte er die Gemeinde zum Gottesdienst, und hier fand auch der Konfirmandenunterricht statt.

Im August 1950, nach der Umwandlung der Hilfsgeistlichenstelle in eine volle Pfarrstelle, wählte eine Gemeindeversammlung Pastor Vonthein dann zum Stelleninhaber.

Barackenbau in Hammer
Barackenbau in Hammer

Zu dieser Zeit war Hammer zahlenmäßig der größere Gemeindeteil und dort wurde – auch mit Unterstützung vieler Gemeindeglieder und Hilfe von Mennonitenstudenten aus den USA – die erste Kirche unserer Gemeinde errichtet, der Barackenbau, der am 29.Oktober 1950 in einem Festgottesdienst von Bischof Halfmann und Propst Asmussen als „Claus-Harms-Kirche“ eingeweiht wurde.

In seiner Ansprache wies Propst Asmussen darauf hin, dass die neue Kirche „eine Zufluchtsstätte werden und der Menschenwürde sowie der inneren Freiheit dienen“ solle (so ein Zeitungsbericht von damals) – ein Ziel, das an Aktualität bis in die Gegenwart nichts eingebüßt hat.

 

 

 

Altarbild der Claus-Harms-Kirche
Altarbild der Claus-Harms-Kirche

Das Altarbild der ersten „Claus-Harms-Kirche“, eine Abendmahlsdarstellung des Segeberger Bildhauers Otto Flath, kann noch heute in der „neuen“ Claus-Harms-Kirche bewundert werden. Gleichzeitig mit der Kirche in Hammer wurde eine Schwesternstation ihrer Bestimmung übergeben.

Mit einer Verfügung des Landeskirchenamtes vom 02.Mai 1951 wurde dann die neue Gemeinde unter dem Namen Michaelis-Süd verselbständigt. Sie „umfasst die politische Gemeinde Russee (Landkreis Rendsburg) und die Ortsteile Hammer und Demühlen der Stadt Kiel derart, dass der Speckenbeker Weg und der Weg Hammerbusch beiderseitig zu Michaelis-Süd gehören, außerdem von der Rendsburger Landstraße die Häuser über 214

Gründungsurkunde
Gründungsurkunde

Der neue Kirchenvorstand bestand aus acht Mitgliedern (Emil Gogoll, Eduard Peglau, Albert Krieg, Dr. Ursula Kummer, Alfred Nonnewitz, Walter Redall, Kurt Post und Willi Krohnke).

Zunächst lag der Schwerpunkt der Arbeit dieses Gremiums darin, „an beiden Orten Hammer und Russee kirchliche Räumlichkeiten zu beschaffen“. Besonders dringlich stellte sich diese Aufgabe in Russee, wo man bei den kirchlichen Aktivitäten noch immer auf die Schule angewiesen war.

 

Eine ungewöhnliche Lösung bot hier Abhilfe. Auf Initiative von Pastor Vonthein wurde mit den Schwestern Agnes und Dorothea Butenschön ein Erbvertrag geschlossen, nach dem die Geschwister bis zu ihrem Tod unterstützt werden sollten. Als Gegenleistung ging danach ihr altes Bauernhaus, 1857 vom Landwirt Jürgen Friedrich Bierend und seiner Frau Magareta Catharina erbaut, in den Besitzder Kirche über.

 Nachdem das Gebäude völlig neu eingerichtet worden war, fanden ein Gottesdienstraum sowie ein Gemeinderaum, das Kirchenbüro und die Pastorenwohnung unter dem Reetdach Platz.
Am 31. Januar 1954 wurde die Kirche in Russee, wiederum durch Bischof Halfmann und Propst Asmussen, eingeweiht.

Pastor Vonthein schreibt aus diesem Anlass: „Seit den Tagen Vicelins und Ansgens [Vicelin: geb. um 1090 in Hameln, gest. 12.12.1154 in Neumünster, seit 1149 Bischof in Oldenburg in Holstein; Ansgar: geb. 801 in der Picardie, gest. 03.02.865 in Bremen, erster Bischof von Hamburg, seit 864 Erzbischof von Hamburg-Bremen. Anm. der Red.] hat es das nicht hier gegeben, und so haben sich viele Russeer inzwischen das Kirchengehen abgewöhnt, und es ist ein merkwürdiger Anblick, wie nun fast scheu der eine und der andere kommt und zaghaft und unkundig versucht, in den Gesang einzustimmen.“ Wenn also der Einsatz der Gemeinde in der Kirche noch ungewohnt war, so wurde doch das Engagement für die Kirche durch zahlreiche Spenden (Teppich, Taufschale, Fußbodenbelag u.a.m.) und tatkräftige Unterstützung deutlich.

Der Segeberger Bildhauer Otto Flath, der schon in Hammer das Altarbild gestiftet hatte, schuf mit dem segnenden Christus eine Altarfigur, die „in Russee ...im Allgemeinen Wertschätzung findet“, und es wurde eine erste Glocke auf dem Hof der Kirche installiert.

 

Altarfigur in der Bauernhauskirche
Altarfigur in der Bauernhauskirche
Innenansicht der Kirche
Innenansicht der Kirche

Der Kirchbau in Russee ermöglichte ein verbessertes Angebot an kirchlichen Aktivitäten: Konfirmandenunterricht, Frauenhilfe in Hammer und Russee (geleitet von Frau Vonthein), Mütterkreis und manches andere prägten das Gemeindeleben, und mit Stolz vermerkt Pastor Vonthein, dass dank der Kirche „zum ersten Mal in der Geschichte des Dorfes Russee ein umfangreiches Krippenspiel stattfinden (konnte), an welchem nebst dem Kirchenchor etwa 45 Russeer Kinder teilnahmen.“

Eine wichtige Rolle spielten auch die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter. Die Chronik nennt 1957 z.B. Fräulein Weinberger als „vollbezahlte und beschäftigte Gemeindehelferin und Küsterin“, die auch als Organistin tätig war,Verbandsschwester Gudrun Halsdorf, die in Hammer als Gemeindeschwester arbeitete, und das Ehepaar Salomon, das den Küsterdienst in Hammer „zur allgemeinen Zufriedenheit versieht“. Küster in Russee war Friedrich Paetsch, der dieses Amt über 15 Jahre lang innehaben wird.


1958: Ein Jahr des Umbruchs

1958 war für die Gemeinde ein Jahr des Umbruchs: Am 31.August diesen Jahres wurde Pastor Walter Vonthein in den Ruhestand verabschiedet. Ein Nachfolger war zu diesem Zeitpunkt noch nicht gefunden, und da auch Fräulein Weinberger die Gemeinde verlässt, steht Michaelis-Süd nun „ohne Pastor, Gemeindehelferin und Organistin da.“

 

In der Zeit der Vakanz wurde Pastor Dr. Mehnert von der Propstei Kiel mit der Vertretung in Gottesdiensten, Amtshandlungen und Konfirmandenunterricht betraut. Er sorgte auch für Umbau und Renovierung des Pastorats, so dass die Kirchengemeinde nun in der Lage war, „einem neuen Pastor eine halbwegs standesgemäße Wohnung zu bieten.“

Mit Pastor Uwe Jacobsen war 1959 ein „Neuer“ gefunden. Nachdem er im Juni seine Vorstellungspredigt gehalten hatte, wurde Uwe Jacobsen am 09.August in einem

Gottesdienst feierlich eingeführt.

Zu diesem Zeitpunkt gehörten dem Kirchenvorstand folgende Mitglieder an: Frau Dr. Kummer, Herr Piorreck, Bürgermeister Peglau (nach dessen Ausscheiden: Karl Hüttmann), Herr Brommann, Herr Post, Herr Beutel (nach dessen Ausscheiden: Albert Kaczynski), Herr Nonnewitz, Herr Krieg.

Ein besonderer Arbeitsschwerpunkt wurde zunächst die Ausstattung der Kirchräume in Russee und Hammer mit Orgeln. Zu diesem Zweck wurde im Oktober 1959 ein Aufruf zu Spenden für einen „Orgelfonds“ gestartet, mit dessen Hilfe das alte Instrument aus der Wellingdorfer Barackenkirche angeschafft werden konnte. Allerdings waren daran umfangreiche Instandsetzungsarbeiten nötig, so dass die Orgel in Russee erst beim Erntedankfest 1963 eingeweiht werden konnte. Ein Jahr später, wiederum beim Erntedankgottesdienst, wurde die Orgel in Hammer (eine Kleinorgel aus dem Gemeindehaus Manrade) geweiht.

Anfang der 60er Jahre wurde in Russee auch das Problem eines neuen Glockengeläutes akut. 1962 fasste der Kirchenvorstand den Beschluss zur Beschaffung der ersten Glocke für das neue Geläut, die Ende 1963 im neugebauten Glockenstuhl ihrer Bestimmung übergeben wurde. 1964 kam die zweite, 1967 die dritte Glocke dazu.

Das Gemeindeleben in diesen Jahren zeichnete sich besonders durch die gutbesuchten Kindergottesdienste in beiden Gemeindeteilen aus. Wichtig war darüber hinaus die Jugendarbeit, die vom Umbau des Backhauses zu einem Jugendraum und von der Tätigkeit des Bezirksjugendwartes Jochen-Uwe Kallauch (Pfadfinder-Arbeit) sowie der Gemeindehelferin Helga Matthiesen profitierte. Die Chorarbeit hatte mit dem Studienrat Drews eine kompetente Leitung.

Ein wichtiger Impuls war auch die Einrichtung einer „Kinderstube“ 1967, anfangs geleitet von Uta Troche, die mit der Einstellung von Dietlinde Dorau (1968) eine Mitarbeiterin erhielt, die bis 1999 für unsere Gemeinde tätig war. „Die Frauenhilfen Hammer und Russee sind trotz Überalterung nach wie vor rege in ihren Zusammenkünften“, weiß die Chronik zu berichten, und auch die Seniorenarbeit gestaltete sich in gewohnt guter Weise. Allerdings: „Der Gottesdienstbesuch in Hammer ist gleichbleibend schlecht, in Russee stagnierend gut.“

Im Februar 1968 visitierte Propst Berthold Kraft die Gemeinde, wobei sowohl die Notwendigkeit einer Änderung des Gemeindenamens als auch die Frage der Errichtung einer 2.Pfarrstelle für Hammer und Demühlen zur Sprache kamen. Angestoßen durch diese Problemanzeige wurde nach Erörterungen im Kirchenvorstand die Gemeinde umbenannt:

Ein neuer Name

Seit 01.01.1970 trägt sie den Namen „St. Gabriel Russee- Hammer“.

Im Oktober 1975 feierte St. Gabriel ein wichtiges Jubiläum: 25 Jahre Claus-Harms-Kirche in Hammer. Ein Festprogramm mit viel Beteiligung aus der Gemeinde und ein feierlicher Gottesdienst am 02.November, der von Propst Kraft und Pastor Jacobsen im Beisein von Pastor Vonthein gehalten wurde, machten die Bedeutung dieses Anlasses deutlich.

1977 endete nach 18 Jahren die Amtszeit von Pastor Uwe Jacobsen, der in einem Gottesdienst am 24.Juli verabschiedet wurde. Damit begann – wie schon nach dem Weggang von Walter Vonthein – eine längere Vakanzzeit. „Nachdem zunächst die Pastoren Pohl (Pastor Pohl war seit 1971 mit regelmäßigem Predigtdienst in unserer Gemeinde betraut) und Schultze den Predigtdienst übernommen hatten, wurde ab 1.X.77 Pastor Fritsche St. Gabriel als Vakanzvertreter zugeordnet.“ Erst im November 1978 wurde ein neuer Pastor für St. Gabriel eingeführt.

„Pflüget ein Neues und sät nicht unter die Dornen“, mit diesen Worten aus dem Buch des Propheten Jeremia begann Klaus Niejahr am 12. November 1978 seine Eintragungen in die Chronik. Er wurde von Propst Küchenmeister in das Pfarramt von St. Gabriel feierlich einführt, woran die Gemeinde regen Anteil nahm.

Kurz danach, am 3. Dezember 1978 fand die Wahl der neuen Kirchenvorsteher statt.

Für Russee: Irmgard Baltzer (als stellvertr. Vorsitzende), Heidemarie Krieg, Erhard Piske und Margot Pleick sowie Rudolf Görner und Max Nörenberg. Für Hammer werden gewählt: Klaus Petereit, Herbert Menzel und Ilse Siepelt.

Pastor Niejahr wird der Vorsitzende des KV.

Während der sehr gut besuchten Weihnachtsgottesdienste fand schon zu dieser Zeit ein „Kanzeltausch“ mit den Nachbargemeinden statt, nämlich mit Pastor Schultze aus Hasseldieksdamm und Pastor Becker aus Schulensee.

Am 14. Januar 1979 führte Pastor Niejahr den neuen Kirchenvorstand ein, am 30. Januar wurde das 25. Kirchweihfest in Russee mit einem Festgottesdienst und einem abendlichen Kirchenkonzert des Lübecker Kammerchores (Ltg. KMD Pods) feierlich begangen.

Am Ostermontag diesen Jahres startete Pastor Niejahr mit den Konfirmanden zur ersten Konfirmanden-Freizeit in Hvide-Sande (Dänemark) und begründete damit eine Tradition, die fast 20 Jahre anhielt; erst 1998 musste aufgrund äußerer Umstände ein anderes Ziel für die Konfer-Freizeiten gewählt werden.

Anlässlich der 25jährigen Kirchenweihe wird im Sommer 1979 eine ausgesprochen erfolgreiche Festwoche durchgeführt.

Es finden Konzerte, Gemeindefahrten, Schnitzeljagden, Volkstänze, eine Cafeteria und vieles andere statt. Nach diesem großen Erfolg wurde beschlossen, die Festreihe im 2-Jahres-Rhythmus weiterzuführen.

In Hammer bahnten sich währenddessen wichtige Dinge an, die Planung der neuen Claus- Harms-Kirche wurde konkreter, Diskussionen mit der Stadt Kiel, (Bebauungsfragen, Kanalisation usw.) ...man blieb am Ball. In Russee wuchs das „Berliner Viertel“, Kiels größte Baustelle für Einfamilienhäuser.

In Hammer wurde ein Neuanfang im Kindergottesdienst möglich, die Kinder- und Jugendarbeit war hier wie auch in Russee mit Hilfe von vielen Freiwilligen sehr aktiv.

Gründung des Botswanakreises

Schon 1978 hatte der Frauengesprächskreis unter der Regie von Elisabeth Brüning den Botswanakreis gegründet, mit Kleider- und Geldspenden wurde eine Schule in Naledi, Gaberone unterstützt. Anfang 1980 wurde zu diesem Zweck das Projekt „Baustein Botswana“ gegründet, man beschloss, die Arbeit zum Gemeindeprojekt zu machen. Nach einem ersten Aufruf zur Kleiderspende gingen erstmalig 106 Pakete à 20 kg. auf die Reise.


Eine Glocke der Gemeinde fand einen neuen Standort in Old Naledi, Botswana

 


Die Spendenbereitschaft der Gemeinde war überwältigend. Ende der 80er Jahre kam als zweiter Schwerpunkt der Partnerschaftsarbeit die Hilfe und der Austausch mit Kirchengemeinden und kirchlichen Persönlichkeiten aus der estnischen Hauptstadt Tallin hinzu, ein Arbeitszweig, der über mehr als ein Jahrzehnt Anregungen und menschliche Kontakte ermöglichte, die sich in das Gemeindebewusstsein eingeprägt haben.

Im Jahre 1981 setzten die Hammeraner Eltern ein beachtliches Zeichen – mitten in der Debatte um den Neubau der Kirche beschlossen sie, die alte Baracke zur Konfirmation ihrer Kinder neu herzurichten. In einer großen Aktion, mit Beisein der KN (und finanzieller Unterstützung des Kirchenkreisvorstandes) wurde die Claus-Harms-Kirche in Eigeninitiative gestrichen und verschönert.

 

1983: Der Bau einer neuen Kirche in Hammer

1983: Dieses Jahr wird als „Baujahr“ der neuen Kirche in Hammer in die Chronik eingehen.

Am 30. Mai (5 Tage nach dem Geburtstag von Claus Harms ) wurde die Grundsteinlegung für die neue Claus-Harms-Kirche durch Propst Küchenmeister vollzogen.

Über das Jahr wuchs der Bau und am Jahresende konnte die „Kirchweihe“ für Ende Mai 1984 geplant werden.

Im Oktober 1983 bekam St. Gabriel einen neuen Organisten und Kantor, Herr Günter Pods (KMD). Dank seiner Initiative hat die Gemeinde auch endlich wieder einen Kirchenchor.

 

 

1984: Ein aufregendes Jahr

Ein aufregendes Jahr: Kirchweih in Hammer durch Propst Küchenmeister,

Grundsteinlegung des Gemeindehauses in Russee und am Samstag vor dem 1. Advent die Einweihung Die Bauzeiten beider Projekte dauerten: in Hammer 3 Tage weniger als 1 Jahr und in Russee 6 ½ Monate.

 

Einweihungsfeier der neuen Kirche in Hammer

Die Entscheidung für die künstlerische Innenausstattung der Claus-Harms-Kirche fiel auf den Künstler Fritz Fleer. Das Kruzifixus mit Corpus über dem Altar stammt von ihm, ebenso wie zwei Reliefs, welche die Wand hinter dem Altar bestücken.

Ein Relief (der 12-jährige Jesus) schmückt die Kanzel. Die Glockenweihe fand am 5. Mai statt, nachdem die beiden Glocken auf einem offenen, geschmückten Wagen kreuz und quer durch Hammer gefahren worden waren.

1984: Bau des Gemeindehauses in Russee

1.Advent 1984: Noch ein großes Ereignis stand in diesem Jahr ins Haus - die Kirchenvorstandswahl. Der neue Kirchenvorstand für Russee, der aus dieser Wahl hervorging, setzte sich zusammen aus: Irmgard Baltzer, Bernd Gördes, Rudolf Görner, Birgit Möller, Erhard Piske, Margot Pleick. Für Hammer: Herbert Menzel, Ilse Siepelt, Irma Tiete. Zum Vorsitzenden wurde Pastor Niejahr gewählt.

Die Großbaustelle „Berliner Viertel“, die zu dieser Zeit mit den Neubaubereichen Klausbrook und Wellsee zu den größten Baugebieten im Kieler Gebiet zählte, nahm Gestalt an.

Der Kirchenvorstand entschloss sich, auf Grund der dadurch zu erwartenden wachsenden Bevölkerung zum 1. Juni eine halbe Pfarrstelle (für Hammer) zu besetzen. Was niemand Anfang des Jahres zu hoffen wagte, gelang. Ein Jahr nach der Kirchweihe der Claus-Harms- Kirche stellte Propst Küchenmeister am 7. Juli der Gemeinde als neuen Pastor Herrn Eckart Dietrich vor. Es war vorerst ein Spagat-Pfarramt, denn Pastor Dietrich ist nur zu 50% für St. Gabriel zuständig, die restlichen 50% war er in der Militärseelsorge tätig.

Am 25. Juli 1985 feierte Pastor Walter Vonthein, der erste Gemeindepastor, in Hamburg lebend, seinen 90. Geburtstag. Glückwünsche von den amtierenden Pastoren, dem KV und der Gemeinde gehen an ihn.

Am 3. Juni 1985 fand das erste Konzert der Kantorei St.Gabriel mit Werken von Schütz, Buxtehude Händel und Bach unter der Leitung von Günter Pods in Hammer statt. 1986 verließ Kantor Pods die Gemeinde, um mit seiner Familie nach Lübeck umzusiedeln.

Als Chorleiterin konnte Frau Simon gewonnen werden, auf der Orgelbank saßen wechselnde Vertretungen. Das blieb bis Ostern 1987 so, dann kam mit Herrn Michael Kube ein neuer Organist.

Am 23. November 1986 fand im Russeer Gemeindehaus unter dem Thema „Kunst und Kirche“ eine Ausstellung des Hamburger Bildhauers Fritz Fleer statt. In dieser Reihe folgte im Januar 1987 eine Chagall-Ausstellung und im Oktober sprach Pastor Wolter-Pecksen zur Eröffnung der dritten Fortsetzung, einer Barlach-Ausstellung. Vorher schon wurde, weil die alte Orgel in Russee nicht mehr ihren Erfordernissen entsprach, der Wunsch nach einer „Neuen“ wach. Und auch der Kirchraum in Russee sollte erweitert werden, das Dach des Backhauses war defekt und die unteren Holzbalken des Glockenstuhles mußten erneuert werden.

 1987 wurden die notwendigen Maßnahme veranlasst: Der erste Bauabschnitt – die Renovierung des Reetdaches der Bauernhauskirche – wurde im Winter 86/87 in Angriff genommen; ihm folgte als zweiter Abschnitt die Erweiterung des Kirchraumes. Die Gottesdienste fanden zu der Zeit im Gemeindehaus statt.

Am 1. Sonntag im September war es dann endlich soweit, Propst Hasselmann konnte die neue Bauernhauskirche einweihen.

Was 1985 mit einer halben Pfarrstelle begonnen hatte, wird 1990 vollendet: Die Synode des Kirchenkreises bewilligte auf ihrer Sitzung am 28.Februar eine zweite volle Pfarrstelle in St. Gabriel, die Pastor Dietrich innehaben wird.

Am 2. Dezember diesen Jahres fanden auch wieder Kirchenvorstandswahlen statt: Herr Menzel, Frau Kruse, Frau Schmidt-Bracker, Frau Petereit, Frau Rosocha, Herr Görner, Herr Prof. Dr.Willkomm, Frau Siepelt und Frau Jöhnk werden gewählt, Herr Spitz-Fischer und Frau Faesecke berufen.

Seit dem 01.November 1991 ist Reinfried Barnett Organist und Kantor in St.Gabriel. Seine außerordentlichen Qualitäten an der Orgel und sein Engagement für die Chor-Arbeit stellen eine bedeutende Bereicherung der Kirchenmusik in St.Gabriel dar.

Ab dem 1. September 1996 gab es eine weitere Veränderung: Der Kirchenkreisvorstand und das Nordelbische Kirchenamt genehmigen das „Senior-Junior-Modell“. Der Juniorpastor zur Anstellung heißt Mathias Lenz. Am 8. September stellte der damals stellvertretende Propst des Kirchenkreises, Pastor Mackensen, Herrn Lenz der Gemeinde vor.

Der Kirchenvorstand, der aus der Wahl am 1. Dezember 1996 hervorging, setzte sich wie folgt zusammen: Rosemarie Scharfenberg, Gisela Engel, Herbert Menzel, Sybille Faesecke, Beate Jöhnk, Rudolf Görner, Horst Lechel, Horst Meißner und Prof. Dr. Horst Willkomm.

Reinfried Barnett und Axel Brackmann wurden berufen. Pastor Niejahr wurde zum Vorsitzenden gewählt, Herr Görner zu seinem Vertreter. Dieser Vorstand wurde am 12. Januar 1997 in sein Amt eingeführt.

Im Juni diesen Jahres fand ein Festgottesdienst anlässlich des 140jährigen „Geburtstages“ des Bauernhauses statt und im November trat die Diakonin Franziska Karth ihren Dienst in der Gemeinde an; sie war Nachfolgerin von Inga Martensen, die bis dahin der Jugendarbeit wichtige Impulse gegeben hatte. In die Zeit von Frau Martensen fiel auch die Grunderneuerung des Backhauses als Jugendhaus unserer Gemeinde. Michael Pust übernahm den Kinderchor, den bis dahin Dorothea Kirsch geleitete hatte, und er gründete kurz danach einen Gospelchor, der Ende des Jahres mit der Probenarbeit beginnt.

Nachdem Pastor Niejahr seinen Rücktritt vom Amt als Kirchenvorstandsvorsitzender bekannt gegeben hatte, wurde Rudolf Görner am 12. Januar 1999 zu seinem Nachfolger gewählt; Herr Pastor Dietrich wird stellvertretender Vorsitzender. Ein Jahr später verstarb der langjährige Kirchenvorsteher Erhard Pieske. Wie Frau Dr. Ursula

Kummer, die 1997 gestorben war, und Frau Margot Pleik (verstorben 1988) gehörte er zu den Menschen, die die Gemeinde über viele Jahre geprägt hatten. Am 30. Januar 2000 wurde Pastor Niejahr nach 22 Jahren im Amt des Pastors in Russee in einem Festgottesdienst durch Propst Mackensen verabschiedet. Bei einem anschließenden Empfang verabschiedeten sich der Kirchenvorstand, die Gemeinde und Freunde von ihm und dankten ihm für seine Leistungen.

Am 9. April 2000 wurde Mathias Lenz – wiederum durch Propst Mackensen – als Inhaber der 1. Pfarrstelle in St. Gabriel eingeführt. Weitere wichtige Ereignisse im Milleniums-Jahr: Am 29. Oktober wurde der Kirchweihe der alten Claus-Harms-Barackenkirche vor 50 Jahren mit einem Gottesdienst und anschließendem Empfang gedacht. Und im November wurde auf Initiative von Herrn Prof. Dr. Willkomm (gefördert durch den Bund und das Land) auf dem Dach des Gemeindehauses an der Rendsburger Landstraße eine Fotovoltaik-Anlage errichtet.

50 Jahre – ein halbes Jahrhundert „Kirchengeschichte“ in Russee und Hammer – bewegende Ereignisse – einschneidende Veränderungen – viel Engagement für die Gemeinde von ehrenamtlicher und auch von hauptamtlicher Seite (stellvertretend für viele seien hier besonders die gegenwärtige Küsterin in Russee, Ebba Günsel, der gegenwärtige Küster in Hammer, Herbert Menzel, und die Gemeindesekretärin Carmen Göde genannt) – Grund und Anlass, in der Festwoche vom 09. bis zum 16.September 2001 zurück-, aber vor allem in die Zukunft zu blicken.