Besuch aus Mawanjeni/Tansania

© U. Schultz
© U. Schultz

Halleluja!

So beginnt Pastor Dani Urio jeden Gottesdienst in seiner Gemeinde Mawanjeni in Tansania. So begrüßte er auch die Mitglieder der Claus-Harms-Gemeinde, die am 14.5.17 zum Begrüßungsgottesdienst der vier Delegierten mit anschließendem Grillnachmittag gekommen waren. Drei Wochen lang würde er nun zusammen mit Shichanaisaria Matemba, Elioth Lyimo und Regnald Mghase unsere Gemeinde kennenlernen.

Bereits am Ankunftstag, dem 11.5., wurden sie bei einem kurzen Empfang von den Mitgliedern des Kirchengemeinderates willkommen geheißen.

An den folgenden Tagen wartete ein buntes Programm auf sie: So lernten sie die Kirchen der drei Gemeindeteile Hammer, Russee und Hasseldieksdamm kennen, sprachen mit Pastorin Charlotte Hartwig und den Prädikantinnen Constanze Grützner und Iris Weisflog über die Rolle der Frau in der pastoralen Arbeit und bekamen eine englisch-sprachige Führung duch die Nikolaikirche von Constanze Grützner (die ihnen ebenso die Erlöserkirche vorgestellt hatte).

Sie besuchen den Ev. Kindergarten in Hasseldieksdamm und das AWO-Servicehaus am Wohld, nahmen an den sonntäglichen Gottesdiensten und dem Open-Air-Gottesdienst am Himmelfahrtstag teil, bastelten in der Kinderkirche mit Salzteig, sahen im Kindergottesdienst zu, wie die Lütten T-Shirts für die Gäste mit ihren Handabdrücken versahen und sprachen mit den Konfirmanden über das Thema „Verteilungsgerechtigkeit“. Sie bewunderten die Disziplin in der „Mäusekirche“, statteten dem „Backhaus“ einen Besuch ab und stürzten sich dort auf den Tisch-Kicker, den sie so noch nicht kannten.

Den Frauengesprächskreis besuchte Shichanaisaria Matemba; alle zuammen waren am Tag darauf beim Ehepaarkreis zu Gast (siehe Foto). Auch in den Proben der Chöre sangen sie eifrig mit und brachten uns ein paar neue Gospels bei.
In der Gorch-Fock-Schule diskutierten sie mit einer 4. Klasse über Schuluniformen, Schulwege, Notensysteme, beantworteten viele interessierte Fragen und ließen sich das Schulkonzept erläutern.

Auf zwei landwirtschaftlichen Höfen (einer mit ca. 100 Kühen und Melkrobotern im Einsatz und einer mit ca. 700 Kühen) staunten sie über die moderne Technik; ein Ausflug durch die blühenden Rapsfelder zum Museumsbauernhof Lensahn brachte etwas Entspannung, aber auch reichlich Nass „von oben“. Bei einem Bummel über den Wochenmarkt fiel ihnen auf, wie sauber und geordnet alles angerichtet war.

Ein trauriges Kapitel der deutschen Geschichte lernten sie bei einem Besuch des Laboer Ehrenmals und des U-Bootes kennen.

Ein Besuch des Domes und des Bibelzentrums in Schleswig durfte ebenso wenig fehlen wie ein Gespräch in der ökumenischen St.Birgitta-Thomas-Kirche in Kiel-Mettenhof mit der dortigen Pastorin.

Ein frohes Wiedersehen gab es in der Gemeinde in Heikendorf und der Heiligengeistgemeinde in Kiel. Beide haben Partnerschaften mit Nachbargemeinden von Mawanjeni.

Bei einer 2-stündigen Hafenrundfahrt bewiesen die Gäste ihre Seefestigkeit. Großes Interesse fand auch die anschließende Führung durch das Schifffahrtsmuseum und den Museumshafen.

Besondere Highlights für unsere Gäste waren ein Empfang beim Stadtpräsidenten der Stadt Kiel mit anschließender Rathausführung und 2-stündiger Stadtrundfahrt mit englischen Erläuterungen, ein zweitägiger Besuch in der Lutherstadt Wittenberg und ein Treffen mit Propst Block in Neumünster mit Mittagessen im „Café Jerusalem“, einem Treffpunkt für Obdachlose und andere Menschen am Rande der Gesellschaft, dem Besuch in einem Sozialkaufhaus des Diakonischen Werkes und einer anschließenden Gesprächsrunde, an der auch zwei afrikanische Gäste bei einer anderen Gemeinde teilnahmen und die aus dem Kongo stammten.

Auf großes Interesse stieß die Vorstellung eines vergleichsweise kostengünstigen Systems zur Säuberung und Bakterienvernichtung von Wasser.

Verschiedene private Einladungen bei Familien in Kiel und die Pflanzung je eines Partnerschftsbaumes an den Kirchen in Hammer, Russee und Hasseldieksdamm festigten die Verbundenheit der Partner und rundeten das Besuchsprogramm ab.

Am letzten Abend zogen Gäste und Pastoren ein Resümee und legten das weitere Vorgehen fest.

Die Partner beider Seiten hoffen, dass durch diesen Besuch der Partnerschaftsgedanke in unserer Gemeinde stärker ins Bewusstsein rückt und auf eine breitere Basis gestellt werden kann.

An dieser Stelle sei den Sponsoren und Einzelspendern herzlich gedankt, die das reichhaltige Programm unterstützt haben. Besonders hervorzuheben ist der Kirchliche Entwicklungsdienst, der die Flugkosten für die Gäste übernommen hat.

Udo Schultz

Ein paar weitere Bilder...


Besuch bei Freunden

Der Kibo-Gipfel des Kilimanjaro
Der Kibo-Gipfel des Kilimanjaro

Nach langer Planung machten sich Mitte September 3 Mitglieder der Claus-Harms-Partnerschaftsgruppe Tansania (Susanne Görner, Rudolf Görner und Udo Schultz) auf den Weg, um unsere Partnergemeinde Mawanjeni am Fuße des Kilimanjaro in Tansania zu besuchen und persönlich kennenzulernen. Bisher war der Kontakt nur per E-Mail gelaufen, aber nun – nach fast 5 Jahren Partnerschaft – war es Zeit für einem zehntägigen Besuch. Von Hamburg ging es nach Amsterdam und von dort in einem 8-stündigen Direktflug nach Kilimanjaro International Airport.

Die Gegend ist die trockenste der gesamten Region. Grüner wird es nur in den höher gelegenen Gebieten an den Ausläufern des Kilimanjaro-Gebirges. Wasser ist so in etwa das kostbarste Gut. Regen wird in großen Wassertanks auf den Dächern aufgefangen. Da es sich bei Mawanjeni um eine auf 80 qkm verteilte Streusiedlung ohne einen direkten „Ort“ handelt, hat die Elektrizitätsgesellschaft auch kein Interesse daran, Stromkabel zu legen. So haben sich die reicheren Familien geholfen, indem sie Solaranlagen installierten. In unserem Haus wurde der Strom gegen 19 Uhr, wenn es dunkel wurde, eingeschaltet und irgendwann zwischen 22 und 23 Uhr wieder abgedreht. Waschwasser gab es in einem großen ehemaligen Farbeimer. Die Toiletten waren vom Typ Frankreich (Stehvariante).
Die meisten Menschen arbeiten in der Landwirtschaft. Sie bauen Bananen, Kaffee, Hirse, Bohnen, Sonnenblumen, Maniok und Erdnüsse an. Die Felder werden mit einer einfachen Hacke „gepflügt“.
Es gibt wenige Hauptstraßen (Linksverkehr übrigens), die eine Asphaltdecke haben. Alle Wege, die von den Hauptstraßen abgehen, sollte man tunlichst nur mit 4-Rad-Antrieb befahren. Löcher oder Felsbrocken in der Fahrbahn gehören zur Tagesordnung.

Behelfskirche in Shichauni
Behelfskirche in Shichauni


Die Gemeinde hat sich wirklich „ein Bein ausgerissen“, um uns in der zur Verfügung stehenden Zeit möglichst viel zu zeigen. Die Freundlichkeit und Herzlichkeit war genau so überwältigend wie ihre Gläubigkeit! Sonntagsmorgens um 7 Uhr waren gut 200 Menschen in der Kirche und um 10 Uhr noch einmal 150. Beim Kindergottesdienst (Sunday-School) um 9.00 Uhr konnten wir noch einmal mindestens ca. 150 Kinder zählen (Mädchen in den rechten, Jungen in den linken Bankreihen!).

Pflanzen des Partnerschaftsbaumes (Avocado)
Pflanzen des Partnerschaftsbaumes (Avocado)

Mit einer feierlichen Zeremonie pflanzte die Partnerschaftsgruppe von Mawanjeni mit uns zusammen einen Partnerschaftsbaum, einen Avocadobaum, der nun neben der Kirche wachsen und gedeihen kann.
Es besteht Schulpflicht. Bereits mit 4 Jahren gehen die Kinder zur Schule, einer Art Vorschule. Unterrichtet wird meist in englisch. Wir konnten uns wunderbar mit den kleinen Stöpseln unterhalten. Ihre Disziplin schon in diesem Alter war bewundernswert.
Da wir im Übergang zwischen Winter und Frühjahr dort waren (Mitte September), waren die Temperaturen trotz Äquatornähe mit 25 Grad am Tag und 19 Grad in der Nacht ausgesprochen angenehm. Nur in den letzten Tagen stieg die Quecksilbersäule manchmal auf 30 Grad. Die trockene Hitze merkte man aber kaum.

Pastor Dani D. Urio (rechts) und Evangelist Mrema
Pastor Dani D. Urio (rechts) und Evangelist Mrema

Bei dem Straßenzustand wundert es nicht, wenn auf den „Landwegen“ so gut wie keine Autos fahren. Fußgänger (manchmal mit Kopflasten) und Motorräder beherrschen das Bild.
Wenn man sieht, wie bescheiden die Menschen leben und wie zufrieden und gelassen sie dennoch sind, kann man nur sagen „Wir Europäer können noch viel von ihnen lernen!“