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Claus - Harms - Gemeinde


Ev. luth. Kirchengemeinde Russee - Hasseldieksdamm – Hammer

 

 

 

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Jahreslosung 2011

Lass dich nicht vom Bösen überwinden,
sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Röm 12,21 –

 

 

 

 

Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.


Noch will das alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen
das Heil, für das du uns geschaffen hast

.
Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand.


Doch willst du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann wolln wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört dir unser Leben ganz.


Lass warm und hell die Kerzen heute flammen,
die du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.


Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so lass uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all deiner Kinder hohen Lobgesang.


Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.


Text: Dietrich Bonhoeffer (1944)

 

 

 

Predigt von Pastorin Hartwig
Heiligabend um 23.00 Uhr in der Claus-Harms-Kirche

 

Liebe Gemeinde!

Zu später Stunde haben wir uns nochmal aufgemacht, um die ganz eigene, stille Festlichkeit dieser Heiligen Nacht in uns aufzunehmen. Nach den Geschäftigkeiten der Vorweihnachtszeit und den Aufregungen dieses Tages können wir jetzt Abstand gewinnen. Wir können diese Stunde und die kommenden Tage dazu nutzen, unseren Alltag und unser Leben ein wenig aus der Distanz zu betrachten. Wenn wir die besondere Feierlichkeit dieser Nacht in uns aufnehmen, dann merken wir, dass sie Geist und Seele gut tut. Wenn wir Abstand gewinnen, spüren wir vielleicht auch Müdigkeit – körperliche Müdigkeit und seelische Müdigkeit. Wir spüren, dass wir diese Tage brauchen, um unsere Seelenkräfte  wieder aufzutanken. Zu sehr sind wir immer wieder Zwängen, Pflichten und Bedingungen ausgesetzt, die wir selbst kaum beeinflussen können. Das Rad des Tuns und Arbeitens treibt uns immer weiter und gönnt uns kaum Ruhe. Der Blick in die Zukunft macht uns Sorgen. Wir sind angetrieben von der Sehnsucht nach innerer Balance, nach Erfüllung  und Glück. Und wir leiden unter der Erfahrung, wie schnell unser Leben verfliegt und wie viele unserer Anstrengungen ins Leere laufen. Wie oft müssen wir Abschied nehmen von Wünschen und Träumen, von Dingen, die wir schon als gegeben und selbstverständlich angenommen haben und nun wieder zerplatzen. Wie oft müssen wir Abschied nehmen von anderen Menschen und Lebenslagen, in denen wir uns schon zufrieden eingerichtet hatten.

Solche Gedanken sind wichtig und gut – gerade am Heiligen Abend; denn Weihnachten ist nicht das Fest, bei dem wir unsere Glückseligkeit besingen  - bei dem wir Harmonie und Frieden feiern. Weihnachten ist nicht das Ritual, bei dem wir „heile Welt“ spielen.
Weihnachten ist die jährliche Erinnerung, dass wir eben nicht von Gott und allen guten Geistern verlassen sind (auch wenn es manchmal danach aussieht). Weihnachten ist das Versprechen einer Zukunft, die weder durch unsere Pläne noch durch unsere Fehler oder durch Zwänge vereitelt werden kann. Der Prophet sagt: „Gott gibt euch ein Zeichen: Siehe, eine junge Frau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie Immanuel nennen – das heißt: Gott mit uns.“

Gott mit uns – das ist die Botschaft dieser Nacht. Für den Propheten damals zur Zeit des Alten Testaments war dieses Kind natürlich noch nicht mit dem Jesuskind verknüpft. Trotzdem deuten wir die alte Aussage auf Jesus Christus. Es ist die große Hoffnung – auch des Jesaja – dass in allen Unwägbarkeiten des Lebens Gott uns nicht verlässt. „Gott mit uns“ – das ist die Botschaft von Weihnachten. Gott zeigt uns mit dieser Nacht, mit dieser Krippe, dass er bei uns ist – gerade auch da, wo die Welt so heillos ist.
Die Krippe ist das Bild für das Mühevolle und zugleich Verheißungsvolle unseres Lebens. Dieses Bild des Kindes -in einer Futterkrippe notdürftig versorgt-, aber ein goldenes Lächeln zaubernd auf die Gesichter aller Anwesenden – dieses Bild hat sich tief in unsere Seelen eingeprägt!

Mit diesem Bild will Gott unsere Lebenskräfte erneuern und uns Mut zusprechen: er ist mit uns, auch und gerade wenn es bei uns heillos ist. Gott ist mit uns: d.h. auch: wir können mit unserer Unvollkommenheit leben und müssen uns nicht herausreden. „Gott mit uns“ kann uns helfen, zu unserer Ermüdung zu stehen und trotzdem neue Kräfte anzunehmen, um aufzustehen. „Gott mit uns“ ermutigt uns, unsere eigenen Grenzen anzunehmen. „Gott mit uns“ – das befähigt uns, dass wir uns zuversichtlich der Zukunft stellen – das befähigt uns, auf unsere zukünftigen Aufgaben zuzugehen.

„Gott mit uns“ heißt vor allem auch, dass unsere Zukunft nicht ausschließlich an unseren guten Absichten, auch nicht an unseren Erfolgen oder den berühmten glücklichen Umständen liegt.

Vertraue auf dieses „Gott mit dir“ – so sagt der Prophet eindringlich zu dem König Ahas, der sich in schwierigen politischen Verhandlungen befindet.  Er sucht Bündnispartner bei den großen Mächten. Nein, sagt der Prophet: du bist selber stark genug. Gott ist mir dir! König Ahas vertraut darauf nicht! Der Untergang seines Landes Juda übrigens ist die Folge.

(Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht – sagt der Prophet dazu. Rechnet nicht nur mit euren eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten. Beschränkt euch nicht auf das menschlich Machbare. Rechnet auch mit Gottes Möglichkeiten! Bedenkt, dass ein Misserfolg euch mehr Verständnis für alles Nicht-gelungene gibt. Denkt daran, dass jeder Kummer euch hilft, anderen Kummer zu verstehen. Rechnet damit, dass euer Leben Möglichkeiten bietet, die ihr nicht für möglich haltet.)

Es ist nicht nötig, alles zu tragen, mit allem allein zu Recht zu kommen, auf alle Fragen eine Antwort parat zu haben. „Gott mit uns“ heißt darauf zu vertrauen, dass eine andere Kraft uns wirklich trägt  - eine andere Kraft als unsere eigene Standhaftigkeit.

Um so mehr wir Abstand gewinnen von uns selbst, desto eher gelingt es uns zu sehen, was unser Leben wirklich ausmacht.  - um so mehr können wir uns auf den Glauben einlassen. Desto mehr können wir loslassen und vertrauen.

Hören wir eine Übertragung der Weihnachtsgeschichte:
Ich habe mich auf den Weg gemacht;
Wie einer der Könige suchte ich
nach einem Lichtpunkt  - am dunklen Himmel.-
Wie einer der Hoffnungslosen suchte ich
nach einem Funken Hoffnung in dieser Welt.
Wie einer aus der Verlorenheit suchte ich
ein Zuhause bei Gott.
Ich suchte Gott bei den Menschen
und fand – einen Blick, der mich verstand,-
und fand – eine Hand, die mich suchte,-
und fand – einen Arm, der mich umfasste,-
und fand – einen Mund, der zu mir JA sagte.-
Ich fand – Gott nach langem Suchen:-
sehr arm, - nicht mächtig, - nicht prächtig,
sehr bescheiden, - alltäglich, -
als Kind in der Krippe, - nackt, frierend, hilflos,-
mit einem Lächeln durch die Zeiten; -
das erreichte mich in meinen Dunkelheiten.-
Gott fing ganz klein an – aber er ist bei mir.

Dieses Bild der Krippe: Heil in einer unwirtlichen Umgebung. Glanz zwischen Holz und Stroh. Gott in meiner Heillosigkeit bei mir!

Lassen wir uns davon innerlich anrühren: Gott ist bei mir! Das ist ein Licht, das mich  aufrichten kann: es gibt mir Gelassenheit. Unser Leben ist behütet. Unsere Lebenskräfte sind bei Gott geborgen.
Amen.

 

 

 

 

 

 

 

Heiligabend
Evangelium Lukas 2, 1 - 14 (15 - 20)


Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt. Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.
[Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.]

 

 

 

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